
Eine wichtige Gestaltungstechnik zur Formgebung eines Bonsai stellt das Drahten dar. Dabei werden zu formende Teile des Bonsai mit Draht umwickelt und anschließend in die gewünschte Richtung gebogen. Als Bonsaidraht wird zumeist ein braun eloxierter Aluminiumdraht verwendet. Der Fachhandel führt Draht in verschiedenen Stärken. Die benötigte Drahtstärke erkennst Du daran, daß der zu drahtende Teil Deines Baumes etwas flexibler ist als der Draht, wenn Du ihn vorsichtig mit drei Fingern biegst. Als Faustregel wird gelegentlich gesagt, Drahtdurchmesser ist 1/3 Astdurchmesser. |

Gedrahtet wird immer von Grob nach Fein. Also zuerst der Stamm, dann die Äste und zum Schluß die feinen Zweige des Bonsai, wobei natürlich nur die zu korrigierenden Teile eingedrahtet werden. Wenn Du den Stamm drahten möchtest, schneide ein Stück Draht von etwa der 1,3~ bis 1,5fachen Länge des zu drahtenden Teiles. Stecke das Drahtende hinter dem Stamm in den Boden und lege den Draht um den Stamm, wobei Du einen Winkel von etwa 45° einhälst. Drahte auf diese Weise den gesamten Stamm und wenn Du möchtest auch gleich noch einen dicken Ast. Der Draht darf weder zu locker noch zu fest anliegen. Du solltest zuerst einige "Trockenübungen" an einem abgeschnittenen Ast machen.


Um Verletzungen durch hervorstehende Drahtenden zu vermeiden, biege das letzte Stückchen mit einer Zange zu einer Schlaufe, sonst könnte eine intensive Betrachtung Deines Bonsai buchstäblich ins Auge gehen. Ich verwende dazu eine Storchschnabel- Zange aus dem Elektrohandel. Sie ist viel billiger als eine spezielle Drahtzange für Bonsai und genauso gut geeignet.
Nun kannst Du die eingedrahteten Teile langsam in die gewünschte Form biegen. Überlege aber vorher, welche Form erreicht werden soll und vermeide zu häufiges Hin- und Herbiegen.
Wenn Du lediglich einen Ast korrigieren möchtest, verankere den Draht mit 2 bis 3 Windungen am Stamm.

Gegenüberliegende Äste können recht gut mit einem gemeinsamen Draht gedrahtet werden. Dadurch wird der Draht gut verankert. Achte beim Drahten ständig darauf, daß Du keine Zweige und Blätter unter den Draht wickelst, sie sterben unweigerlich ab. Auch sollten sich mehrere Drähte nicht kreuzen. Möchtest Du einen recht starken Ast korrigieren, aber Du hast keine ausreichende Drahtstärke zur Hand, kannst Du auch zwei Drähte parallel verwenden.
Nun hast Du je nach Pflanze zwischen drei Monaten und einem Jahr Zeit, bis die Korrektur gelungen ist. Beobachte Deinen Bonsai regelmäßig, ob durch das Dickenwachstum der Draht einzuwachsen beginnt. Junge Triebe wachsen noch recht schnell, dafür nehmen sie aber die neue Form auch schnell an. Dicke, bereits seit langem verholzte Äste haben ein geringeres Wachstum aber benötigen auch mehr Zeit zur Korrektur.

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