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Trotz der für eine Jung-Pflanze recht kleinen Schale hat sich mein Bonsai gut entwickelt. Bereits vor 6 Monaten mußte ich aufgrund der Zunahme des Stammdurchmessers den Draht entfernen, lediglich die Schnur habe ich zur Formgebung am Baum belassen. Aber in der letzten Zeit streckt sich der Stamm auch gegen den Widerstand der Schnur, so daß der Wurzelballen aus der Schale angehoben wird. Also entschließe ich mich, den Baum erneut zu drahten. Bei dieser Gelegenheit soll er auch umgepflanzt werden.
Ich löse mit einem Messer den Wurzelballen vom Schalenrand und hebe den Bonsai aus seiner Schale. Die Wurzeln haben fast die gesamte Schale ausgefüllt und der Ballen ist sehr dicht.
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Um ein gutes Nebari zu erhalten, muß der Wurzelballen geschnitten werden. Bereits damals habe ich die senkrecht nach unten wachsende Pfahlwurzel restlos entfernt. Daher sind die neuen Wurzeln fast waagerecht gewachsen. Diese Tendenz muß weiterhin unterstützt werden. Ich spüle also die gesamte Erde aus dem Ballen heraus und entferne alle nach unten wachsenden Wurzeln. Die waagerechten Wurzeln kürze ich auf eine gleichmäßige Länge und achte darauf, daß sie sich gleichmäßig um den Stamm verteilen. Bei der geneigten Form meines Bonsai ist es erwünscht, daß sich auf der rechten Seite, also unter der Neigung, eine besonders große und starke Wurzel befindet. Diese muß später deutlich sichtbar dem Bonsai eine Stütze geben. Zur Zeit ist aber noch keine Wurzel ausreichend stark entwickelt, um dieses optische Gleichgewicht zu bilden.
Da ich den gesamten Wurzelballen auf etwa 35% der vorherigen Größe reduziere, muß auch "oben herum" einiges fallen. Zuerst einmal entferne ich den Ast gegenüber dem Hauptast. Er wird sich nicht befriedigend in das Gesamtbild integrieren lassen.
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Weiterhin muß die Krone deutlich reduziert werden. Einige Äste werden ganz entfernt, andere gekürzt. Besonders der sehr lange Ast, welcher die Stammverlängerung bildet, wird geschnitten. Der oberste verbliebene Zweig wird senkrecht nach oben gedrahtet, um die neue Spitze zu bilden. Ebenfalls muß der Stamm neu gedrahtet werden. Dieses Mal habe ich Draht mit einem Durchmesser von 6mm zur Hand. Der Umgang mit einem so starken Draht fällt mir schwer, auf eine Trockenübung habe ich angesichts des Preises verzichtet. Entsprechend erbärmlich fällt das Ergebnis aus - der Draht liegt nicht fest genug um den Stamm. Das wird Probleme beim Biegen geben!
Die neue Schale habe ich rechtzeitig vorbereitet. Der Bonsai wird nun in reines Akadama gepflanzt. Dabei achte ich darauf, daß auch der Raum zwischen und unter den Wurzeln gut mit Substrat gefüllt wird. Mit einem Eßstäbchen arbeite ich das Substrat vorsichtig selbst in die feinsten Zwischenräume der Wurzeln. Obiges Foto entstand vor dem ersten Wässern, damit die Hauptwurzeln auf dem noch trockenen und daher hellen Substrat besser zu sehen sind.
Nach dem Wässern korrigiere ich noch die Biegung des Stammes. Tatsächlich läßt sich aufgrund der mangelhaften Drahtung die gewünschte Form nicht problemlos erreichen. Also werde ich den Baum wieder entdrahten müssen und erneut eindrahten. Aber heute nicht mehr - den restlichen Draht benötige ich morgen für ein anderes Projekt. Ich verzichte darauf, den Hauptast zu drahten. Er wurde auch überhaupt nicht geschnitten. Ich lasse ihn ungestört wachsen, damit er deutlich dicker werden kann. Nun kommt der Bonsai wieder auf seinen angestammten Platz auf der Fensterbank - und nächstes Jahr erfahrt Ihr, wie es weitergeht.
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