Fukinagashi aus Olea europaea

Olive in windgepeitschter Form

Das Ausgangsmaterial

Im Frühjahr 1999 habe ich in einem Gartencenter in Spanien einen Olivenbaum entdeckt. Die Pflanze war etwa 40cm hoch, reich verzweigt und in einem 20cm durchmessenden Container gezogen, offensichtlich als Zierpflanze für ein Leben im Kübel vorgesehen. Obwohl ich viele Jahre zuvor bereits eine schlechte Erfahrung mit einem Oliven-Bonsai gemacht habe, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen - so nahm das Bäumchen seinen Weg über die Pyrenäen.

Anfängliche Euphorie…

Die reichlich verzweigte Olive unterschied sich in ihrem Aufbau deutlich von vielen anderen Olivenbäumen, welche ich in Gärtnereien in Spanien und Italien gesehen hatte. Der junge Baum mußte zuvor mehrfach gestutzt worden sein. Die Äste waren gleichmäßig belaubt mit kurzen Internodien. Aufgrund des recht großen Containers hoffte ich auf einen kräftigen Wurzelballen. Nun mußte die Pflanze nur noch in eine Bonsaischale, auf Drahten wollte ich verzichten und nur durch Schnitt die weitere Entwicklung und spätere Gestalt beeinflussen.

…weicht der Ernüchterung

Als ich den zukünftigen Bonsai aus seinem Container befreit hatte, stellte ich fest, daß der Stamm unterhalb der Erdoberfläche einen deutlichen Knick hatte. Etwa 10cm unterhalb des Knicks wuchsen einige Wurzeln wie ein Büschel seitlich aus dem Stamm. Im weiteren Verlauf verschwand der Stamm in einem stinkenden Knäuel verrotteter Wurzeln und grober Holzstücke.
Also gab es Arbeit für die Zange - der gesamte Stammabschnitt unterhalb des Wurzelbüschels mußte entfernt werden. Oberhalb des Knickes gab es keinerlei Wurzeln und nichts deutete darauf hin, daß hier mal welche wachsen wollten.

Die ersten Gestaltungsschritte…

Entweder mußte nun der Knick des Stammes in irgendeiner Weise in die Gestaltung mit einbezogen werden oder es mußte mir gelingen, die Olive dazu zu bewegen, im weiteren Stammverlauf weitere Wurzeln zu treiben. Letzteres erschien mir damals recht aussichslos. Also wählte ich eine stark geneigte Stellung der Pflanze, welche durch den Knick noch verstärkt wird. Durch Schnitt wollte ich eine Gestalt anstreben, welche ein Baum annimmt, welcher ständig heftigem Seitenwind aus immer derselben Richtung ausgesetzt ist. Diese Gestaltungsform heißt Fukinagashi. Der Stamm neigt sich mit dem Wind und alle Äste und Zweige folgen dieser Bewegung. So entfernte ich einige wenige zur Gestaltung nicht notwendigen Äste und Zweige und pflanzte die Olive in eine Schale.

…und eine schlechte Prognose

18 Monate stand die Olive in dieser Schale, in dieser Zeit bekam sie drei neue Zweige und genau 22 neue Blätter - ein nicht sehr wuchsfreudiger Bonsai. Also nehme ich den Baum am 08. Oktober 2000 aus der Schale, um den Zustand der Wurzeln zu kontrollieren. Das Ergebnis ist alles andere als erfreulich: etwa 25% der alten Wurzeln sind abgestorben, ein Zuwachs ist nicht feststellbar.

Oliven-Bonsai am 08. Oktober 2000

Ich pflanze den Bonsai also in eine Trainingsschale aus Kunststoff, welche fast doppelt so hoch ist wie die Schale zuvor. Durch den Einsatz von Rainbow Fertilizer hoffe ich, endlich ein Wurzelwachstum anzuregen. Denn eigentlich könnte aus der Olive immer noch ein recht schöner Bonsai werden. Aber inzwischen beginne ich, an das Vorurteil zu glauben, daß Oliven zum einen sehr langsam wachsen und zum anderen sowieso schwer zu halten sind.

Oliven-Bonsai am 08. Oktober 2000