Lung,

chinesischer Bonsai im Drachen-Stil

Chinesischer Bonsai in Drachen-Form

In der chinesischen Bonsai-Gestaltung dienen oftmals mythologische Symbole oder Schriftzeichen als Vorbilder für einen Bonsai. Das Bild des Drachen ist auch Europäern gut bekannt. Der Drache wird mit gewundenem Körper und wehenden Flügeln dargestellt, welche er im übrigen nicht zum Fliegen benötigt. Obiges Bild zeigt Shen-Lung, den Azurblauen Herrn der Stürme.

Die Drachen-Form spiegelt die Elemente dieses Bildes wieder. Ein Bonsai im Drachen-Stil besitzt einen mehrfach gewundenen Stamm, welcher den Körper des Drachen darstellt. Beine und/oder Flügel des Drachen bilden die Äste, hierbei sollte man nicht allzu genau nachzählen. Eine relativ flache Krone ist der Kopf des Drachen. In der Gestaltung gibt es keine festen Regeln, weder ist die Anzahl der Äste in irgendeiner Form maßgebend noch muß der Bonsai einer natürlich-logischen Wuchsform entsprechen. Man kann sogar eine Drachenform vollständig ohne Äste - nur mit einer kleinen Krone - gestalten oder den Stamm derart verbiegen, daß es sich selbst überkreuzt.

Mein Drache beginnt sein neues Leben

Als Ausgangsmaterial für meinen Lung nehme ich meinen bereits bekannten Ficus in Felsenform. Diesen Bonsai gestalte ich seit nunmehr 1992, ohne einen nennenswerten Erfolg damit zu haben. In den ersten Jahren habe ich wohl jeden Fehler mit diesem Baum gemacht, den man nur machen kann. Dennoch kann ich mich nicht von der Pflanze trennen, ist sie doch mein ältestes Projekt. Am 08. Oktober 2000 will ich diesen Bonsai radikal umgestalten und ihm eine dramatische Form geben.

Gestaltung der Drachen-Form

Ich entferne alle überflüssigen Äste des Bonsai mit einer Konkav-Zange. Ich belasse nur dort Äste am Stamm, wo dieser später eine Biegung nach außen erhalten soll. Auch bei der freizügigen Auslegung des Drachen-Stils sollen keine Äste auf der Innenseite einer Biegung wachsen.Größere Schnittwunden verschließe ich mit LacBalsam, nachdem ich den Austritt von Milchsaft mit einem nassen Wattebausch gestoppt habe. Anschließend drahte ich den gesamten Stamm bis in die bisherige Krone. Trotz der gestrigen Erfahrung bei der Gestaltung des Shakan-Moyogi gelingt mir die Arbeit mit dem 6mm dicken Draht kaum besser. Zudem muß ich im Verlauf der unteren zwei Drittel den Draht ein zweites Mal parallel wickeln, weil der Stamm bereits recht dick geworden ist.

Nachdem der Draht leidlich gut sitzt, soll nun der schwierige Teil folgen. Der Baum wurde 20 Tage nicht mehr gegossen, weil ich irgendwo gelesen habe, ein Bonsai sei dann leichter zu biegen. Fest mit beiden Händen zugreifen, noch einmal tief Luft holen… Der Stamm läßt sich viel besser biegen als erwartet. Lediglich dort, wo der Draht nicht richtig anliegt und keine gute Führung gibt, bildet sich eher ein Knick als eine schöne Windung - der Baum wird's überleben. Die bisherige Stammverlängerung biege ich ein wenig abwärts, ein dünner aber langer Ast wird steil nach oben geführt. Dieser soll eine neue Spitze bilden und später zu einer flachen Krone, dem Drachenkopf weiter gestaltet werden.

Nun darf sich der Drache aber zuerst einmal erholen. Im Frühjahr hoffe ich den Bonsai umpflanzen zu können. Dann werde ich mich ein wenig intensiver mit den Wurzeln beschäftigen. Denn es könnten ruhig ein paar mehr sein, welche dem Baum auf seinem Stein einen (zumindest optisch) besseren Halt verleihen.