![]()
![]()
In der Aqaurienhandlung fand ich vor einiger Zeit eine Mopani-Wurzel, welche mich an einen mächtigen Baumstamm mit starken Wurzeln erinnerte. Wenn man da doch bloß ein paar lebende Äste und Zweige dran bekäme Also habe ich die Wurzel erst mal gekauft, es würde sich schon irgend was ergeben.
Die Wurzel diente eine Zeitlang als Buchstütze, aber die ursprünglich Vorstellung eines alten abgestorbenen Baumstamms ließ sich nicht mehr verdrängen. Mit einem jungen Baum in eine Schale setzen? Oder von Efeu umranken lassen? Oder ein Loch hineinbohren und darin etwas einpflanzen? - Nein, das Ding sollte richtige Äste bekommen. Ich müßte also eine junge Pflanze so an die Wurzel pflanzen, daß der Eindruck eines Baumes entsteht.
![]()
Den entscheidenden Hinweis fand ich in einem Buch von J. Pfisterer. Hier wird eine Methode beschrieben, einem alten abgestorbenen Baum neues Leben "einzuhauchen". In das abgestorbene Holz wird entlang des Stammes und der Äste eine Nut gearbeitet. Anschließend wird eine passend zurechtgeschnittene Jungpflanze in dieser Nut befestigt. Duch das Dickenwachstum der jungen Pflanze verkeilt sich diese im Laufe der Zeit im abgestorbenen Holz - der tote und der lebende Baum sind zu einer untrennbaren Einheit geworden. Diese Technik wird in Japan Koromo-ga-e (Wechsel des Kleides) genannt, als Verheiratung ist sie unter Obstbauern zur Rettung altersschwacher Bäume bekannt.
![]()

Das Stück Mopani hatte ich bereits, einen Ficus benjamina 'Natasja' fand ich wie immer im Baumarkt. Dazu noch eine ausreichend große Schale sowie etwas Selaginella (Moosfarn) als 'Unterholz'. Als Substrat entschied ich mich für eine Mischung aus 2 Teilen Akadama, 2 Teilen Kokohum ® und 1 Teil Sand.
Draht in verschiedenen Stärken, groben Sand als Drainageschicht sowie kleine Kunststoffgitter, um die Abflußöffnungen der Bonsaischale abzudecken, habe ich immer ausreichend "auf Lager". Seit mich ein aufmerksamer Surfer darauf hingewiesen hat, kaufe ich allerdings keine Gitter mehr. Vielmehr zerschneide ich Fliegenklatschen, welche ich für Pfennigbeträge auf dem Flohmarkt gekauft habe. Gelegentlich nutze ich diese vor dem Zerschneiden noch zur Regulierung der Fliegenpopulation im Wohnzimmer.
![]()

Der junge Ficus bejamina 'Natasja' ist deutlich größer als die Mopani-Wurzel. Ich lege zuerst den Wurzelansatz frei, um die exakte Länge des Stammes zu erkennen. Nun stelle ich die Wurzel daneben und suche mir die Äste aus, die die späteren Hauptäste des Bonsai werden sollen. Alle übrigen Äste entferne ich mit einer Konkav-Zange.
Auch die Krone schneide ich ab, um die gewünschte Höhe zu erreichen. Der oberste Ast wird später gedrahtet und soll zu einer neuen Krone heranwachsen. Alle Schnittwunden werden dünn mit Lac-Balsam® bestrichen. Diese "künstliche Rinde" schützt das freiliegende Holz vor dem Eindringen von Krankheitserregern. Später werden diese Stellen von neuer Rinde überwachsen.
![]()
Das Stück Mopani-Wurzel erweist sich als äußerst hart. Auf den ersten Blick ist das durchaus von Vorteil: Das Holz wird nicht zu schnell verrotten, auch wenn es nicht zur Konservierung behandelt wird. Immerhin wird Mopani genau wie Moorkien-Wurzel zur Dekoration von Aquarien verwendet. Andererseits stellt das harte Material besondere Ansprüche an die Bearbeitungstechnik. Ich versuche erst gar nicht, mit Schnitzwerkzeug zu arbeiten sondern greife gleich zu einer elektrischen Fräse. Ich verwende einen Dremel® Multi mit Fräsköpfen zur Bearbeitung von Hartholz und Kunststoff. Mit Bleistift wird der Verlauf der Nut auf der Wurzel vorgezeichnet. Dabei berücksichtige ich zwei "Abzweigungen" für die beiden verbliebenen Seitenzweige des Ficus.
Nun kommt endlich das Elektro-Werkzeug zum Einsatz. Innerhalb von 30 Minuten fräse ich eine ausreichend breite und tiefe Nut zur Aufnahme des Stammes sowie zwei weitere Rinnen für die Äste. Bei maximaler Drehzahl und Fräßköpfen aus Hartmetall ist diese Arbeit nicht besonders schwer. Selbstverständlich trage ich dabei eine Schutzbrille, eine einfache Staubmaske habe ich allerdings vergessen. Das feine Holzmehl reizt zum Husten und meinen Naseninhalt kann ich nun tagelang als Holzkitt verwenden. Nun ja, wieder was dazugelernt.
![]()
![]() |
![]() |
![]() |
| Shakan-Moyogi aus einem Ficus |
zurück zur Site-Map |
Koromo-ga-e, die Gestaltung |
Alle Inhalte dieser Homepage sind urheberrechtlich geschützt.