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In der Natur beobachtet man gelegentlich einen umgestürzten Baum. Der Stamm ist mit Erde bedeckt und die aufwärts strebenden Äste haben sich zu eigenständigen Stämmen entwickelt. Bei einem Bonsai wird diese Form als Floßform oder Ikadabuki bezeichnet. Die Stämme bilden eine kleine Gruppe. Im Gegensatz zu einer echten Gruppenpflanzung aus mehreren Bäumen hat die Floßform den Vorteil, daß nicht die einzelnen Pflanzen um Raum und Nährstoffe konkurrieren, da es sich ja lediglich um einen einzelnen Bonsai handelt. Der Nachteil soll auch nicht verschwiegen werden: Der Platz der einzelnen Stämme ist von Anfang an festgelegt und kann nicht wie bei einer echten Gruppe geändert werden.
Am 30. September 1998 beginne ich mit meinem Projekt. Ich habe einen etwa 30 cm hohen Ficus benjamina 'Natasja', also eine kleinblättrige Birkenfeige gekauft. Diese Pflanzen sind in jedem Blumengeschäft für 5 bis 10 DM erhältlich. Außerdem sind sie recht robust und problemlos im Zimmer zu kultivieren. Zusätzlich benötige ich noch eine Bonsai-Schale, etwa 35 cm lang, 25 cm breit sowie 7 cm hoch. Diese Schale erhalte ich nur in einem Fachgeschäft, dazu Bonsaidraht aus eloxiertem Aluminium in den Stärken 1,5 - 2,5 und 4 sowie einige kleine Kunststoffgitter. Mit diesen werden die Abflußlöcher der Schale abgedeckt, damit nicht alles unten herausrieselt. Dann brauche ich noch Akadama, das ist ein spezielles Bonsaisubstrat, denn normale Blumenerde ist für Bonsai absolut ungeeignet. Alles in allem habe ich nun etwa 90 DM ausgegeben. Wenn ich mir nun etwas Mühe gebe und meinem Bonsai fünf bis sechs Jahre Zeit für seine Entwicklung lasse, erreiche ich eine Gestaltung, die schnell 300 DM oder mehr kosten würde.
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Die ausgesuchte Pflanze soll nur einen einzigen Stamm sowie gut ausgeprägte Äste besitzen. Ich suche also die Seite mit den schönsten Ästen heraus. Für eine Floßform wird immer eine ungerade Anzahl Äste benötigt, also 5 oder 7, selten auch 11. Lediglich 3 entstehende Stämme lassen sich als Floßform selten befriedigend gestalten, 9 Stämme entsprechen nicht der japanischen Harmonielehre und 11 Stämme oder mehr sind wiederum nur schwer zu gestalten. Bei meinem Ficus finde ich sieben geeignete Äste. Ich entferne alle überflüssigen Äste mit einer sehr scharfen Bonsaischere direkt am Stamm. Danach lege ich die Pflanze auf die Seite und schneide von dem Draht der Stärke 4 ein Stück von der Länge des Stammes. Zusätzlich schneide ich dünneren Draht, für jeden Ast ein Stück von doppelter Astlänge.
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Bevor ich mich der Pflanze zuwende, muß noch die Bonsaischale vorbereitet werden. Dazu lege ich über jedes Abflußloch der sorgfältig gereinigten Schale ein Kunststoffgitter und befestige es unter der Schale mit einem Stückchen durchgeschobenem Draht.
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| Serissa foetida, Junischnee |
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Floßform, Gestaltung |
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