Horst Krekeler

der Gestalter

Ein Wacholder vor der Gestaltung durch Horst Krekeler

Die Bonsai-Tage 1999, ausgerichtet von den Arbeitskreisen in Nordrhein-Westfalen waren lange durch die Fachpresse bekanntgegeben. Da aber die örtlichen Tageszeitungen kaum Notiz von diesem Ereignis nahmen, konnte ich hoffen, nicht in ungeheuren Menschenmassen zu ersticken. So betrat ich am Vormittag des 08. Mai einen Raum im Gruga-Park in Essen. Einige Personen schauten einer Demonstration zu. Auf einem langen Tisch harrte ein Wacholder im Container seiner Gestaltung. Daneben ein nicht gerade hochgewachsener Mann im undefinierbaren Alter. Er sprach mit leiser Stimme von Menschen und ihrer Körpersprache. Pantomimisch stellte er verschiedene Situationen einer Begegnung dar - und verwandelte sich in einen Baum. Die Zuschauer waren verwirrt. Der Demonstrator griff zur Zange und mit der Sicherheit des Meisters reduzierte er den verwachsenen Wacholder auf eine klare Struktur.

Horst Krekeler erkundet das Potential der Containerpflanze

In einer Demonstrationspause sprach ich den Demonstrator an. Er stellte sich als Krekeler vor. Ich erinnerte mich: Horst Krekeler, ein bedeutender Gestalter, welcher sehr kontrovers diskutiert wird. Einen derart bekannten Bonsaigestalter vor mir zu haben machte mich ein wenig befangen, aber Herr Krekeler lud mich zu einem Glas Bier ein. Wir vertieften uns in ein kurzes aber intensives Gespräch. Auch jetzt sprach der Gestalter in ihm. In klaren Aussagen skizzierte er Ansatzpunkte zur Philosophie und Beschäftigung mit Miniaturbäumen. Sein Verzicht auf den Begriff Bonsai offenbarte eine tiefe Erkenntnis.

Ich möchte hier nicht auf Einzelheiten des Gespäches eingehen, verraten sei nur, daß ich einen Verfechter einer europäischen Bonsai-Kultur vor mir hatte, aus dem eine tiefe Verbundenheit zu seinen Mitmenschen und eine innige Liebe zur Natur sprach.

Horst Krekeler gestaltet einen Wacholder

Im weiteren Verlauf der Demonstration nahm der Rohbonsai Formen an. Abseits der klassischen japanischen Stilrichtungen gestaltete Horst Krekeler einen lebenden Baum mit langer Geschichte. Während er mit Händen und Armen die Bewegungen von Zweigen und Ästen nachempfandt, erzählte er aus der Jugend eines alten Baumes, der nicht sterben wollte. In den Köpfen der Zuschauer entstanden Bilder, welche sich zu einem Film zusammenfügten. Und nach nur kurzer Zeit erkannten wir in der fortschreitenden Gestaltung einen alten Bekannten, den wir ein Stück seines Lebensweges begleitet haben.

Gleichzeitig vermittelte Horst Krekeler auf anschauliche Weise nicht nur traditionelle, sondern auch außergewöhnliche Techniken der Bonsaigestaltung und forderte seine Zuschauer zu einem intensiven Dialog heraus.

Horst Krekeler zeigt die weitere Entwicklung des Roh-Bonsai

Horst Krekeler erwies sich als großer Lehrer mit charismatischer Persönlichkeit. Weit entfernt von überlieferten Traditionen und starren Normen sind seine Gestaltungen die Empfindung lebender Natur. Ich kann jedem aufgeschlossenen Bonsai-Freund zu einem Besuch eines Workshops oder einer Demonstration mit Horst Krekeler raten, welche besonders für Anfänger äußerst lehrreich sind. Weiter Fortgeschrittene profitieren von Krekelers persönlicher Betrachtungsweise der Bonsaikunst und können sich intensiv mit der Philosophie des Meisters auseinandersetzen.

Horst Krekeler leitet Workshops in der ganzen Welt. Sehr häufig wird man ihn im süddeutschen Raum finden können. Entsprechende Termine werden auf den Seiten des Bonsai-Club Deutschland genannt.