![]()
![]()
Am 15. Oktober 2000 besuche ich die große Bonsai-Ausstellung der Düsseldorfer Bonsai-Arbeitskreise auf dem Gelände der Bonsai-Werkstatt von Werner M. Busch. Die Suche nach einem Parkplatz stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, da der kleine Stadtteil für Veranstaltungen dieser Beliebtheit kaum geeignet ist.

Dennoch, bereits der erste Blick auf den Eingangsbereich läßt den aufgekommenen Ärger sofort verfliegen. Vorbei an imposanten Bonsai in prächtiger Herbstfärbung gelange ich in einen kleinen Vorhof, wo Werner M. Busch jeden Neuankömmling persönlich begrüßt. Nachdem er Stimmzettel für die Besucherwahl des schönsten Bonsai verteilt hat, hastet er davon, um sich seinen zahlreichen weiteren Aufgaben zu widmen. Eine davon ist die Versorgung der Anwesenden mit Kaffee - so ist auch die große Kanne mein erstes Ziel.
![]()
Die Wahl des schönsten Baumes durch die Besucher ist eine schöne und in der Bonsai-Werkstatt bereits traditionelle Einrichtung. Eine Bewertung durch eine Jury, unter Zugrundelegung der Richtlinien des BCD, hat bereits am Vortag stattgefunden. Aber am zweiten Tag der Ausstellung hat das Volk die Qual der Wahl.
Zwei Bonsai sprechen mich besonders an: Zum einen die Gestaltung einer Landschaft aus Myrrthen. Sieben Bäume in zwei Gruppen verbindet eine gemeinsame Krone, welche einen dunklen Schatten auf den großzügigen Raum zwischen ihren Stämmen wirft. Auf dem Felsen im Vordergrund könnte man an einem heißen Sommertag gut den Nachmittag mit einem Picknick verbringen, wenn man denn klein genug wäre.

Zum anderen fasziniert mich ein beachtlicher Sokan (oder ein Soju? Ich bin mir nicht sicher). Zwei mächtige Stämme streben vollkommen parallel zum Himmel, die Nadeln bilden in deutlich voneinander abgesetzten Etagen dichte Kissen.

Beide Gestaltungen haben es nach den strengen Richtlinien, welche der BCD zur Beurteilung eines Bonsai herausgegeben hat, sicher nicht leicht. Dennoch, diese Gestaltungen rufen in mir Erinnerungen wach - deshalb wird der Sokan mein persönlicher Favorit.
Darüber hinaus sind noch sehr viele weitere Bonsai zu sehen. Die drei ausstellenden Arbeitskreis, BAK Düsseldorf, BAK Düsseldorf Grand Cru und Bonsaifreunde Düsseldorf 1D zeigen ihre schönsten Stücke.
![]()
Nach fast zwei Stunden ist es nun wieder Zeit für einen Kaffee. Rund um die Kanne, in einem kleinen überdachten Innenhof, haben sich zahlreiche Personen eingefunden. Auch hier dreht sich jedes Gespräch um Bonsai. Ich lausche einer Runde, welche über die Probleme diskutiert, welche wirklich große Bonsai machen. Während einer sich der Hilfe seines Sohnes sicher ist, wenn es gilt, die 130cm lange Schale zu transportieren, favorisiert ein anderer augenzwinkernd schweres Gerät in Form einer Hängebahn.
Nach kurzer Zeit tritt Herr Busch zu uns, nur um sich wieder in die Arbeit zu stürzen. Stolz führt er mich zu dem neuerbauten Seminargebäude. Und ich bin wirklich beeindruckt: Ein großzügig angelegter Raum bietet Platz, um ein Dutzend auch großer Bonsai gleichzeitig gestalten zu können. Zwei verglaste Außenwände lassen den Raum lichtdurchflutet wirken, das bereits reichlich vorhandene Tageslicht wird zusätzlich durch eine blend~ und schattenfreie Halogenbeleuchtung unterstützt. Jeder Arbeitsplatz ist mit Steckdosen versehen, damit problemlos elektrische Werkzeuge zur Gestaltung verwendet werden können.
Heute ist der Raum bis auf den letzten Platz belegt: Während der Ausstellung hält Serge Clémence ein Seminar. Gestaltet werden mittlere bis große Yamadori. Ein besonders schönes Exemplar gehört Herrn von Eick (links). Allein das Drahten des Baumes hat sicherlich den größten Teil des Vortages in Anspruch genommen.

Serge Clémence (rechts) kümmert sich intensiv um seine Schüler. Hier erarbeitet er mit Herrn von Eick die letzten Feinheiten des "sehr wilden Baumes" (Originalzitat) und stellt damit erneut unter Beweis, daß er auch bei der Gestaltung recht großer Bonsai umfangreiche Erfahrung besitzt. Ich hoffe darauf, diesen herrlichen Baum auf der kommenden Ausstellung an exponierter Stelle bewundern zu können.
![]()
Um viele Eindrücke reicher trete ich den Heimweg an. Mein Dank gilt Herrn Busch für die trotz des teilweise hektischen Betriebes freundliche Betreuung. Zum Abschied versichere ich ihm, daß ich auf der nächsten Ausstellung gern wieder zu Gast auf dem Gelände der Bonsai-Werkstatt in Düsseldorf sein werde.
![]()
![]() |
![]() |
![]() |
| NRW-Bonsaitage, Ausstellung 1999 |
zurück zur Site-Map |
Bonsai-Lexikon, einige Fachbegriffe |
Alle Inhalte dieser Homepage sind urheberrechtlich geschützt.